
|
35 zu null. Und trotzdem ist das Geld noch nicht da. Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Kita-Leitungen, liebe Mitglieder, am 27. August hat der Stadtrat der Landeshauptstadt Hannover den Antrag „Gleiche Arbeit – gleiches Geld“ einstimmig beschlossen. 35 Stimmen dafür, der Rest enthielt sich. Dagegen stimmen mochte am Ende niemand. |
Der Rat hat damit beschlossen: Die Stadt refinanziert die Mehrkosten von S 8b in den evangelischen Kitas, nach denselben Maßstäben wie bei allen anderen Trägern und den städtischen Kitas. Das ist unser gemeinsamer Erfolg nach drei Jahren Kampagne. Und trotzdem steht auf euren Gehaltsabrechnungen noch immer S 8a.
|
Eigentlich ist alles klar Der Kirchenkreis hat die Höhergruppierung längst beschlossen. Seine Bedingung: Die Stadt sichert schriftlich zu, die Mehrkosten zu finanzieren. Aus unserer Sicht steht diese Zusage seit dem 27. August im Ratsbeschluss, schwarz auf weiß, nachlesbar im Ratsinformationssystem der Stadt, und bald auch im Protokoll der Sitzung. Entschieden ist damit, was zu entscheiden war. |
Und was passiert jetzt?
Der Beschluss ist wenige Tage alt. Niemand erwartet, dass S 8b nächste Woche auf der Abrechnung steht. Aber was wir in diesen Tagen hören, gefällt uns nicht. Öffentlich sind sich alle einig: Natürlich soll S 8b kommen, ein Durchbruch, heißt es, alle würden sich mit uns freuen. Doch hinter den Kulissen tauchen neue Fragen auf, an Stellen, von denen bisher öffentlich nie die Rede war. Nachlesen kann man davon nichts, weder einen Beschluss noch eine Drucksache, nicht einmal eine Erklärung. Wir haben genug davon.
Wenn Stadtrat und Kirchenkreis entschieden haben, worauf wartet man dann noch? Warum werden jetzt Probleme aufgemacht, die vor dem Beschluss niemand genannt hat? Und warum erfahren wir als Gewerkschaft davon nicht von denen, die entscheiden, sondern nur über Umwege?
Wo die Kommune die Mehrkosten trägt, kann doch für die Kirche nichts dagegen sprechen. Wir erwarten von unserer Kirche, dass sie hinter ihre Beschäftigten stellt, statt nach Gründen zu suchen, warum es doch nicht gehen könnte. Wer ausgerechnet bei denen spart, die jeden Tag verlässlich für die Kinder da sind, beschädigt das Vertrauen der Mitarbeitenden und verfehlt die eigene Fürsorgepflicht als kirchlicher Arbeitgeber.
|
Worum es geht Zwischen S 8a und S 8b liegen je nach Erfahrungsstufe rund 70 bis gut 500 Euro brutto im Monat bei Vollzeit. Jeder Monat Warten kostet diesen Unterschied, solange ihn niemand rückwirkend zahlt. Wer am längsten dabei ist, verliert am meisten. |
Die Sache mit den Daten
Ein Beispiel für solche Fragen. Der Rat hat die Verwaltung aufgefordert, dem Jugendhilfeausschuss darzustellen, ob Träger bei der Refinanzierung unterschiedlich behandelt werden. Dafür brauche es nun erst eine Datengrundlage zur sozialen Lage rund um die Kitas, wie viele Familien mit wenig Geld, wie viele Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte, wie hoch die Belastung der Stadtteile ist. Ob das die offizielle Linie ist, weiß niemand, es steht nirgends. Sicher ist nur: Wer diese Daten braucht, hat sie selbstverständlich schon. Die Stadt veröffentlicht sie selbst, regelmäßig und bis auf Stadtteilebene, im Armutsmonitoring, im Sozialbericht und Jahr für Jahr in den Strukturdaten der Stadt. Damit niemand lange suchen muss, stehen die Quellen in unserer Webfassung dieser Newsletter-Ausgabe.
Die Frage bleibt: In den öffentlichen Ratsunterlagen seit 2015 haben wir keinen einzigen Beschluss gefunden, der für die städtischen Kitas erst eine solche Grundlage verlangt hätte. Dort bekommen die Erzieherinnen und Erzieher S 8b, und zwar alle. Als die Verwaltung im Jugendhilfeausschuss noch von „fast allen“ sprach, konnte sie auf Nachfrage kein einziges Beispiel für eine Ausnahme nennen. Für die städtischen Kitas brauchte es also keine Daten, keine Analyse und keine Wartezeit. Warum soll es bei den evangelischen Kitas nun anders sein?
Ein Weg, den es nicht gibt
Immer wieder wird als Ausweg ein „Haustarifvertrag“ genannt, also ein eigener Tarifvertrag nur für euren Träger. Das ist nicht einmal einen Versuch wert. In unserer Kirche gibt es diesen Weg nicht: Die Arbeitsbedingungen setzt für alle verbindlich die paritätische Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission, und S 8b steht dort längst drin. Das wissen auch alle, die diesen Vorschlag wiederholt strategisch platzieren. Wer den „Haustarifvertrag“ dann trotzdem wieder und wieder wiederholt, schlägt keine Lösung vor. Er spielt auf Zeit. Für uns ist das keine Debatte mehr, es ist eine Hinhaltetaktik.
Was ihr jetzt tun könnt
An alle, die noch kein Mitglied sind: Jeder Monat Zögern kostet bares Geld. Als Mitglied sichert ihr euch die juristische Prüfung eurer Ansprüche und Nachzahlungen über unseren Rechtsschutz, damit ihr euer Geld nicht verliert, sobald der Beschluss umgesetzt wird.
|
Jetzt Mitglied werden Jeder Monat Zögern kostet bares Geld. |
|
S8b ist kein Geschenk. S8b ist Anerkennung. Für Wertschätzung. Für Gerechtigkeit. Für uns. |
Liebe Kita-Leitungen: Bitte hängt diesen Newsletter im Teamraum aus oder leitet ihn an Kolleginnen weiter, die noch auf ihre Einstufung warten.
Mit kollegialen Grüßen
eure Kirchengewerkschaft Niedersachsen
Anhang: Die Datenlage ist öffentlich
Alle folgenden Quellen sind von Stadt oder Region Hannover selbst veröffentlicht und frei zugänglich. Sollte für den Bericht an den Jugendhilfeausschuss eine Datengrundlage zur sozialen Lage gesucht werden: Hier ist sie.
- Armutsmonitoring 2025 der Landeshauptstadt Hannover (Datenstand 31.12.2024, Kapitel „Entwicklungen auf Stadtteilebene“)
- Sozialbericht 2023 der Landeshauptstadt Hannover (mit Kinderarmuts-Karte auf Stadtteilebene)
- Strukturdaten der Stadtteile und Stadtbezirke 2026 (Statistikstelle der LHH, Juli 2026: je Stadtteil u. a. Migrationshintergrund, Transferleistungsbezug, Arbeitslosigkeit)
- Statistische Profile der Stadtteile und Stadtbezirke 2024
- Kindertagesstättenbericht 2024 der LHH (Informationsdrucksache 0619/2025, Jugendhilfeausschuss 24.03.2025)
- Sozialmonitoring der Region Hannover 2025 mit Sozialstrukturprofil Landeshauptstadt Hannover